Bibliografie & Hintergründe

Es gibt viele Journalist*innen, Wissenschaftler*innen, zivilgesellschaftliche Initiativen, antifaschistische Recherchegruppen & Netzwerke, die zur AfD arbeiten und die zu unterschiedlichen Themen Analysen und Hintergrundinformationen zur Verfügung stellen. Hier haben wir einen kommentierten Überblick zusammengestellt. Eine Liste anderer AfD-Watchblogs findet sich auf unserer Seite Links gegen die AfD.

1) Who is who der AfD

Wer sitzt eigentlich für die AfD im Bundestag? Dies hat für die ZEIT eine Gruppe von Journalist*innen recherchiert (Kai Biermann, Astrid Geisler, Christina Holzinger, Paul Middelhoff, Karsten Polke-Majewski und Tilman Steffen). Praktisch an diesem komprimierten Überblick sind die Buttons, die das Bundesland zeigen und eine Einschätzung des politischen Spektrums der Abgeordneten vornehmen und ggf. ihre früheren Parteizugehörigkeiten anzeigen:
https://www.zeit.de/afd-kandidaten-bundestagswahl

Wie gestaltet sich das Netzwerk der AfD im Bundestag? Ein Recherchekollektiv vom Rechten Rand, der taz und dem apabiz hat 608 Verbindungen der AfD-Fraktion recherchiert und diese in Grafiken dokumentiert:
http://www.taz.de/Netzwerk-AfD/!t5495296/

Die Ergebnisse finden sich auch in der gleichnamigen Broschüre, die von der Otto-Brenner-Stiftung finanziert wurde „Netzwerk AfD. Die neuen Allianzen im Bundestag“, erschienen am 15. Juni 2018, Redaktion: Malene Gürgen, Christian Jakob, Sabine am Orde:
https://www.otto-brenner-stiftung.de/netzwerk-afd/

Netzwerke gibt es auch im Netz: Wer folgt wem auf Facebook oder Twitter und wer leitet welche Informationen an wen weiter? Beim Tagesspiegel hat sich der Journalist Markus Reuter das inoffizielle Unterstützernetzwerk der AfD genauer angesehen. Erhellend auch wegen der anschaulichen Infografiken:
https://tagesspiegel.de/afd-unterstuetzernetzwerk

Praktisches AfD-Handbuch: Ebenfalls ein gutes Nachschlagewerk zu den Seilschaften der AfD ist das von Correctiv.org 2017 herausgegebene „Schwarzbuch AfD /Fakten. Figuren. Hintergründe“, das nicht nur Personen porträtiert, sondern auch das Wahlprogramm der AfD, die soziale Basis, die Themen und Förderer in komprimierter Form vorstellt:
https://shop.correctiv.org/schwarzbuch-afd

Sebastian Leber hat im Tagesspiegel vom 6.1.19 einen detaillierten Überblick über die vielfältigen rechtsaußen Positionierungen der AfD zusammengestellt, die von Nazi-Vokabular, Holocaust-Relativierung, Rassismus und Sozialdarwinismus reicht:
https://www.tagesspiegel.de/beobachtung-der-afd

Auf jeden Fall loht sich auch ein Blick auf die Seite „Rechtes Land“, die einen fundierten und aktuellen Atlas über rechte Strukturen und Aktivitäten in Deutschland zur Verfügung stellt. Rechtes Land wird vom  apabiz Berlin e.V. betrieben und verfügt über mehr als 1.600 Einträgen zu AfD-Mitgliedern und Engagierten:
www.rechtesland.de/

2) Zur Parlamentarischen Arbeit der AfD

Wie verhält sich die AfD in Bundestag und in den Landtagen? Welche Strategien verfolgt die AfD im Parlament? Auch hier gibt es vielfältiges Material.

Empfehlenswert ist das im Westendverlag im Oktober 2018 erschienene Buch „Rechtspopulisten im Parlament. Polemik, Agitation und Propaganda der AfD“. Herausgeber sind Christoph Butterwegge, Gudrun Hentges und Gerd Wiegel. Die Autor*innen zeigen das parlamentarische Wirken der AfD, indem sie sich Anträge und schriftliche Anfragen der AfD auf Länder- und Bundesebene vornehmen und nach Themenfeldern analysieren. Dies in einer strukturiert sachlichen Form und besonders erhellend, weil sie offenlegen, was die Triebfeder und Motivation hinter den Anfragen ist.
westendverlag.de/rechtspopulisten-im-parlament

Im Juni 2017 ist ein Diskussionspapier zur Parlamentarischen Praxis der AfD in deutschen Landesparlamenten von Wolfgang Schroeder, Bernhard Weßels, Christian Neusser und Alexander Berzel erschienen (Hrsg: Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung), in dem das Wirken der AfD in zehn Landtagen analysiert wird:
https://bibliothek.wzb.eu/pdf/

Die Tagesschau hat ein Jahr nachdem die AfD in den Bundestag eingezogen ist mit einem Faktenfinder Bilanz gezogen, in dem die Gesetzesentwürfe der AfD-Fraktion aufgelistet sind und die thematischen Schwerpunkt der Kleinen Anfragen:
http://faktenfinder.tagesschau.de//afd-bundestag-bilanz

AfD Watch bei ze.tt
Für das Jugendmagazin der ZEIT ze.tt berichtet Till Eckert über die Aktivitäten der Extremen Rechten in den Parlamenten. Er zeigt in seinem Artikel die Schikane-Strategien der AfD, die auch von der AfD in Hamburg eingesetzt werden. Die ze.tt hat insgesamt eine Artikelreihe, die Recherchen zur AfD beinhaltet:
https://ze.tt/tag/afd-watch/

3) AfD und Medien

Wie sollten Journalist*innen mit der AfD umgehen? Wo sind Fallstricke? Wie stellt man sicher, nicht über jedes Empörungsstöckchen zu springen bei gleichzeitiger Notwendigkeit, über Tabubrüche und demokratische Verstöße gegen rote Linien zu berichten?

Dazu hat Bernd Gäbler zwei lesenswerte Broschüren publiziert, die die Otto-Brenner-Stiftung als pdf-Download zur Verfügung stellt: AfD und Medien – Erfahrungen und Lehren für die Praxis, Arbeitsheft 95, 18.11.2018:
www.otto-brenner-stiftung.de/Gaebler_AfD_II.pdf

AfD und Medien – Analyse und Handreichungen, Arbeitsheft 92, 18.7.2017:
www.otto-brenner-stiftung.de/AfD_Medien_2017

Auch die Amadeu Antonio Stiftung publiziert zum Thema Neue Rechte und deren Umgang mit Medien und legt hierbei den Fokus auf die Social-Media-Strategien, Hate speech, Framing, dies nicht nur in Bezug auf die AfD, sondern auf rechtsextreme Akteure generell (u.a. Identitäre, Compact, PI-News). Alle Publikationen sind als pdf im Netz.

Toxische Narrative. Monitoring rechts-alternativer Akteure. Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.)
www.amadeu-antonio-stiftung.de/monitoring-2017.pdf

Die Süddeutsche widmet sich in einem aufwendigen Datenprojekt ebenfalls dem Einzug der AfD in den Bundestag: „Das gespaltene Parlament“ von Katharina Brunner, Sabrina Ebitsch, Sebastian Gierke und Martina Schories. Sehr anschaulich werden hier die verschiedenen Zersetzungs- und Störungsstrategien der AfD gezeigt – über die Zunahme einer aggressiven Tonlage & Wortwahl, Polarisierung, den Einsatz von Beifall als Störungs- und Aggressivitätsmoment. Besonders entlarvend ist der Zusammenschnitt der AfD-Reden. Hier wird im Zeitraffer gestoppt, ab wann die AfD wieder bei ihrem Monothema „Flüchtlinge und Migration“ landet:
https://sueddeutsche.de/die-afd-im-bundestag

4) Die Medien der AfD

Wer komprimiert wissen möchte, welche Medien den Aufstieg der AfD flankiert und ermöglicht haben, dem sei das Kapitel 9 im Schwarzbuch AfD „Die Medien der Neuen Rechten“ empfohlen (siehe Punkt 1).

Die Broschüre „Hetzen und Jammern“ von Fabian Jellonnek und Pit Reinesch, erschienen in der Reihe Dekonstrukt, richtet sich speziell an Akteur*innen im Bildungsbereich und nimmt u.a. die vielfältigen Social-Media-Aktivitäten der Identitären Bewegung in den Blick:
http://dekonstrukt.org/Medien-5.pdf

Wie twittert die AfD? Dies recherchierten beim Tagesspiegel Maria Fiedler, Michael Kreil, Hendrik Lehmann, Markus Reuter und Lisa Charlotte Rost. Die Rechercheergebnisse sind mit anschaulichen Infografiken versehen. So twittert die AfD, digitalpresent, 18.7.19:
https://digitalpresent.tagesspiegel.de/afd

In dem Tagesspiegel-Projekt digitalpresent findet sich ein Artikel zum Umgang der AfD mit Twitter. Markus Reuter fand heraus, dass der reichweitenstärkste AfD-nahe Account Balleryna ein Scheinriese ist:
https://digitalpresent.tagesspiegel.de/balleryna

5) Handreichungen und Praxistipps

Seit Gründung der AfD gibt es verschiedene Publikationen, die konkrete Handreichungen im Umgang mit Rechtspopulismus und extremer Rechter liefern. Aufgrund der Fülle empfehlen wir die Broschüre „,Wir holen uns unser Land und unser Volk zurück‘. Empfehlungen zum Umgang mit rechtspopulistischen Parteien in Parlamenten und Kommunen“ vom Bundesverband Mobile Beratung gegen Rechts, die einen guten Ãœberblick liefert und im Juni 2019 in aktualisierter 2. Auflage erschienen ist:
www.mobile-beratung.de/Umgang_Rechtspopulismus

Auch sehr aktuell und umfangreich ist auch die Handlungsempfehlung zum Umgang mit der AfD der Amadeu Antonio Stiftung. Nachgezeichnet wird u.a. der Radikalisierungsweg der AfD und deren parlamentarisches Wirken. Es gibt Schaubilder zum Umgang mit rechten Provokationen bei öffentlichen Diskussionen, Empfehlungen bei Online-Shitstorms, bei Angriffen auf die Zivilgesellschaft und auf die Freiheit der Bildung:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/AFD_Handreichung.pdf

Die Broschüre „Positionieren. Konfrontieren. Streiten“ gibt Handlungsempfehlungen zum Umgang mit der AfD und ist hilfreich für die pädagogische Arbeit, aber auch für Gespräche im Alltag:
www.amadeu-antonio-stiftung.de/positionieren.pdf

Eine Handreichung speziell zu dem von dem inflationär von der AfD ins Feld geführten „Neutralitätsgebot an Schulen“ und jede Menge Gründe, warum sich Bildung in einer Demokratie auch kritisch mit der AfD beschäftigen muss, gibt es vom Deutschen Institutes für Menschenrechte:

Zum Umgang mit der AfD in den Parlamenten gibt es auch Tipps vom MBR. Plädiert wird u.a. dafür, den Umgang mit der AfD überparteilich abzustimmen, sich offen mit Betroffenen von Diskriminierung zu solidarisieren und konstruktiven Streit über Unterschiede zu führen:
www.mobile-beratung.de/umgang_mit_rechts

6) Autoritäre Formierung und Extreme Rechte

Seit 2002 werden in Deutschland die Leipziger Studien zu autoritären und rechtsextremen Einstellungen in Deutschland durchgeführt. Ausländerfeindlichkeit und rechtsextreme Äußerungen kommen aus der Mitte der Gesellschaft, so das Fazit der Langzeitstudie „Rechtsextreme Dynamiken in der Mitte der Gesellschaft“. Autoren: Elmar Brähler, Oliver Decker, 7.11.2018:
www.otto-brenner-stiftung.de/Autoritarismus_Studie

Volker Weiß untersucht das breite Spektrum der neuen rechten Bewegungen, ihre Entstehungsgeschichte und analysiert die Herkunft und Vernetzung ihrer Protagonisten. Lesenswert der Teil zu den ideologischen Wegbereitern der Neuen Rechten. Volker Weiß: Die autoritäre Revolte. Die Neue Rechte und der Untergang des Abendlandes, 2017, Klett-Cotta:
www.klett-cotta.de/Die_autoritaere_Revolte

„Autoritäre Versuchungen“ nennt Wilhelm Heitmeyer sein 2018 bei Suhrkamp erschienenes Taschenbuch, in dem er den Begriff Rechtspopulismus für die AfD als unzureichend charakterisiert und stattdessen den Begriff „Autoritärer Nationalradikalismus“ einführt:
www.suhrkamp.de/autoritaere_versuchungen