Kevin Dorow aus der Hamburger Burschenschaft Germania – völkischer Schick für die neue AfD-Jugendorganisation

Kevin Dorow (3.v.l.) empfängt die Besucher*Innen zum "Tag des Vorfelds" in Neumünster, neben ihm junge AfD Kader und Volker Schnurrbusch aus dem AfD Landesvorstand Schleswig-Holstein (Quelle pixelarchiv.org nach CC BY-NC 4.0).
Kevin Dorow (3.v.l.) empfängt die Besucher*Innen zum „Tag des Vorfelds“ in Neumünster, neben ihm junge AfD Kader und Volker Schnurrbusch aus dem AfD Landesvorstand Schleswig-Holstein (Quelle pixelarchiv.org nach CC BY-NC 4.0).

Es ist ein ziemlich normaler Parkplatz in Neumünster, auf dem Kevin Dorow im Sommer 2024 eine beachtliche Auswahl der deutschen Rechtsaußen-Prominenz zum „Tag des Vorfelds“ empfängt. Die Szene wirkt zunächst grotesk: In feinem Anzug, mit Einstecktuch, streng gescheitelt und mit Gewinnerlächeln begrüßt Dorow die eintreffenden Gäste. Als Kulisse dient jedoch nicht ein imposantes Herrenhaus, wie es vielleicht zu seinem Habitus gepasst hätte, sondern die grau verklinkerte Fassade der „Taverna Dyonisos“. Neben ihm hält jemand eine ALDI-Tüte in der Hand. Doch das Lachen bleibt einem im Halse stecken, denn Dorow steht mit seinen Schmissen und seiner aggressiv-gestochenen sowie unverblümt-völkischen Sprache exemplarisch für den Stil der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“. Diese soll „nicht weniger radikal, dafür aber professioneller“ als die inzwischen abgewickelte „Junge Alternative“ sein.

Laut NDR war Dorow als Organisator verantwortlich für den „Tag des Vorfelds”, einem Vernetztungstreffen von AfD Funktionär*Innen mit Akteur*Innen der außerparlamentarischen extremen Rechten. Neben seinen Kollegen im AfD-Landesvorstand Schleswig-Holstein, Volker Schnurrbusch und Kurt Kleinschmidt, nahmen unter anderem auch der sogar parteiintern (wenigstens zwischenzeitlich) umstrittene AfD Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich (bezeichnete sich selbst als „freundliches Gesicht des NS”) , der Kubitschek-nahe, völkische Rechtsintellektuelle Benedikt Kaiser, zudem Philip Stein, Kopf der neurechten Kampagnenplattform „Ein Prozent”, die u.a. die Identitäre Bewegung unterstützt, und Michael Scharfmüller, der als Chefredaktur für das neurechte Magazin „Info-Direkt” aus Linz tätig ist, am Treffen teil. Dem Verfassungsschutz war die Veranstaltung in seinem Bericht über die AfD immerhin zwei Seiten wert. Nähere Informationen darüber, was bei dem Treffen besprochen wurde, gelangten nicht nach außen.

Für Dorow, der zuvor vor allem in der norddeutschen AfD- und Burschi-Szene aktiv war, dürfte die exponierte Rolle beim „Tag des Vorfelds” ein wichtiger Schritt auf der AfD-Karriereleiter gewesen sein. Mit der Wahl in den Bundesvorstand der frisch gegründeten „Generation Deutschland” hat er einen vorläufigen Höhepunkt erreicht.

Burschenschaftler mit Verbindung zu Schleswig-Holsteins extrem rechter Verleger Szene

Kevin Dorow legt bislang eine klassische rechte Burschi-Laufbahn hin. 2017/2018, im Alter von etwa 19 Jahren, wird er Mitglied der pflichtschlagenden „Alten Königsberger Burschenschaft Germania in Kiel”, die im extrem rechten Dachverband „Deutsche Burschenschaft” organisiert ist. Im selben Verband ist auch die Burschenschaft Germania in Hamburg Marienthal, der er 2022 beitritt. Seit 2025 beglückt er als Schriftleiter der „Burschenschaftlichen Blätter” regelmäßig seine Leser*Innen mit hetzerischem Nationalpathos zu Themen wie „Wurzeln”, „Freiheit”, „Vaterland” oder „Heimat”.

Das journalistische Rüstzeug für seinen Job bei den „BBI” dürfte sich Dorow u.a. von Dietmar Munier geholt haben. Munier, ein rechter Verleger („ZUERST!”, „Deutsche Militärzeitschrift”) aus dem Landkreis Plön, ist seit Jahrzenten in der Szene aktiv und besitzt unter anderem Verbindungen zum Initiator des durch den „correctiv”Bericht bekannt gewordenen Potsamer Treffens und mutmaßlich auch zur Identitären Bewegung. Dorow absolvierte ein Volontariat bei Muniers „Lesen und Schenken”. Inzwischen schreibt er auch für das österreichische Magazin „freilich”, welches zwar dem Auftritt nach ein konservatives Publikum anspricht, inhaltlich aber klar der Neuen Rechten zuzuordnen ist.

Von der AfD Schleswig-Holstein in die neue AfD Jurgendorganisation

Dorow ist eigenen Angaben zufolge seit 2016 in der AfD aktiv und agiert seit 2022 als Beisitzer im Landesvorstand Schleswig-Holstein. Vor ihrer Auflösung war er stellvertretender Vorsitzender der „Jungen Alternative” Schleswig-Holstein. Nachdem die AfD dort bei der Landtagswahl 2022 eine krachende Niederlage erlebt und er folglich ohne Parlamentssitz dasteht, tritt er bei der Kommunalwahl 2023 an und sitzt seitdem im Kreistag Rendsburg-Eckernförde. Dass Dorow seine politische Rolle langfristig nicht auf Kommunalebene sieht, wird u.a. auch in seinen Kreistagsreden sichtbar, die sich häufig nicht um kommunale, sondern Bundesthemen drehen. Ende November 2025 wird Kevin Dorow beim Gründungstreffen der neuen AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland” in Gießen zum ersten Beisitzer des Vorstands gewählt. Aus Sicht seines Landesverbands, der bislang eine untergeordnete Rolle in der Bundes-AfD spielt, ist das ein Erfolg. Dass eine dem völkisch-radikalen Flügel der AfD zuzurechnende Person wie Dorow eine immer zentralere Rolle in der AfD Schleswig-Holstein einnehmen kann, zeigt, dass das eher zurückhaltend-bürgerliche Image des Landesverbands nur noch Fassade ist.

Höckes Musterschüler für die “Generation Deutschland”

Ideologisch scheint Kevin Dorow dem Nazi Björn Höcke den Rücken von rechts freihalten zu wollen. Nachdem Höcke vor Kurzem das Motto der Hitlerjugend „Jugend muss durch Jugend geführt werden” zunächst auf Social Media gepostet hatte, um es kurz darauf wieder zu löschen, nutzte Dorow ebenjenen Satz in seiner Bewerbungsrede in Gießen – selbstverständlich ohne ihn anschließend zu revidieren.

Auch im zuletzt innerhalb der AfD geführten Richtungsstreit über den Begriff „Remigration”, von dem führende Vertreter wie Maximilian Krah inzwischen versuchen, sich zu distanzieren, positioniert sich Dorow, ganz überangepasst an seine Rolle als Jung-AfDler, eindeutig. Er fordert in seinem Instagram-Kanal „millionenfache Remigration” und deutet in seiner Begründung eine Unterscheidung zwischen „Staatsvolk” und „ethnischem” oder „kulturellem” Volk an. Eine Differenzierung zwischen verschiedenen Volksbegriffen wird vom wissenschaftlichen Dienst des Bundestags als nicht mit dem Grundgesetz vereinbar angesehen. Dorow fürchtete eine mögliche Beobachtung durch den Verfassungsschutz eigenen Angaben zufolge jedoch nicht, da dieser ohnehin politisch motiviert sei. Und tatsächlich ist auffällig, wie wenig er sich in seiner völkischen Sprache um verfassungsrechtliche Konsequenzen zu scheren scheint.

Mit seinem Burschi-Schick, bürgerlichen Slogans wie „Anstand” oder „Respekt” und einer Themensetzung rund um reaktionäre Familienbilder und „echte” Männlichkeit ist Dorow um Anschluss an konservativ-männliche Wählergruppen bemüht. Seine völkische Radikalität bleibt dabei jedoch zu keinem Zeitpunkt verborgen. Dies wird auch deutlich, wenn er – inhaltlich nah an seinem geschichtsrevisionistischen Verleger-Chef Dietmar Munier – fordert, der 8. Mai solle nicht als Tag Befreiung, sondern als „Tag des Gedenkens” begangen werden.

Schleswig-Holstein als Sprungbrett für junge AfD-Kader

Der Politikwissenschaftler Christian Martin vermutet insbesondere in bislang für die AfD schwierigen Bundesländern wie Schleswig-Holstein einen großen Einfluss junger, noch radikalerer AfD-Kader auf die jeweiligen Landesverbände. Kevin Dorow steht mit seinem Aufstieg in den Bundesvorstand der „Generation Deutschland” exemplarisch hierfür. Spätestens zur nächsten Landtagswahl 2027 in Schleswig-Holstein dürfte er einen Sitz im Kieler Landtag anstreben und somit seine völkische, menschenverachtende Ideologie weiter in den Landesverband tragen.

Als antifaschistische Bewegung in Hamburg müssen wir die Burschenschaft Germania und andere offenkundig extrem rechte Kaderschmieden weiter konsequent bekämpfen!